Geschichte

Eine kurze geschichtliche Zusammenfassung über die Entstehung der Gemeinde Bühler AR

Arboner Forst

 

Zu dieser Zeit beherrscht der Arboner Forst das Landschaftsbild des gesamten heutigen Appenzellerlandes. Der mächtige Wald dient den weltlichen und geistlichen Herren vom Bodensee als beliebtes Jagdrevier.

Gallus

 

Im Jahre 612 lässt sich der irische Mönch Gallus an der Steinach nieder und baut dort eine kleine Zelle. Aus der Einsiedelei geht schliesslich das Kloster St. Gallen hervor. Bereits um das Jahr 900 hat sich das Kloster als reiches und mächtiges Stift etabliert.

1380

 

St. Gallen gewinnt immer mehr an Bedeutung. In steigendem Masse wird auch das Umland des Klosters besiedelt. Das Gebiet der Gemeinde Bühler findet 1380 erstmals Erwähnung unter dem Namen Roten. Roten wird dabei von Rotbach abgeleitet. Dieser selbst wird jedoch schon einige Zeit früher unter dem Begriff Rota genannt. Auch die „Gegend an der Rota“ ist bereits 1071 urkundlich belegt.

1421

 

Roten kommt zum Trogener Amt. In der Urkunde wird Roten mit „die Roter Rhode“ bezeichnet.

1479

 

In Teufen wird die erste Kirche errichtet. Fortan gehen auch die Einwohner von Roten nach Teufen zur Kirche. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sowohl Teufen als auch Roten in die Pfarrei St. Laurenzen in St. Gallen kirchgenössig. Im Zusammenhang mit dem Kirchenbau in Teufen wird auch zum ersten Mal „Ulrich Büllers hoff“ urkundlich erwähnt. Im besagten Schriftstück, in dem es um die Grenzziehung der beiden Orte geht, heisst es: „… die Rotta uff zu Ulrich Büllers hoff und vom Büller hinuff zu …“. Politisch bleibt Roten dem Hauptmann von Trogen unterstellt.

1597

 

Im Zuge der Landesteilung und der politischen Neuordnung des Appenzellerlandes wird Roten Teufen zugeschlagen. Damit endet die politische Zugehörigkeit zu Trogen. Zusehends gerät der Name Roten in Vergessenheit und macht der neuen Bezeichnung „im Büöller“ Platz.

1723

 

Im Frühjahr wird die erste Predigt in der neu erbauten Kirche in Bühler gelesen und schon im Herbst desselben Jahres geschieht die vollständige politische Trennung von Teufen. Dem Absonderungsbrief vom 22. November 1723 ist zu entnehmen, dass „von nun an die zwei Kirchhören heissen Teufen und Bühler“. Damit hat sich auch der Name Bühler für die neue Gemeinde endgültig durchgesetzt.

Industrie

 

Bereits in der Zeit der Landesteilung hat sich die Leinwandweberei als wichtiger Zweig von Industrie und Gewerbe durchgesetzt. Eine erste Blütezeit erlebt die Textilindustrie während den Gründungsjahren der Gemeinde Bühler. Nach eher schwierigen Zeiten, als Folge der französischen Revolution und der europaweiten Staatsumwälzung, geht es zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufwärts. 1829 zählt Bühler 15 Fabrikanten und 236 Weber. Die Bedeutung der Textilindustrie hat sich in Bühler bis in die heutigen Tage erhalten.

Rudolf Binder

 

Immer wieder haben Personen das Dorf in seinem Leben und seiner Entwicklung nachhaltig geprägt. An dieser Stelle seien drei von ihnen erwähnt. Rudolf Binder (1747-1815), selbst aus einfachen Verhältnissen stammend, war zu jener Zeit einer der erfolgreichsten Fabrikanten und beschäftigte rund 200 Weber. In Kanton und Gemeinde bekleidete er verschiedenste Ämter. Bühler stand er während 12 Jahren als Gemeindehauptmann vor. Er gilt als Erbauer des Türmlihauses.

Johann Ulrich Sutter

 

Mit 13 Jahren trat Johann Ulrich Sutter (1793-1869) in das „Fabrikations- und Handelshaus“ von Rudolf Binder ein. Der Meister nahm sich des Jungen an und förderte ihn wo er nur konnte. Bereits fünf Jahre später gründete Johann Ulrich Sutter ein eigenes, äussert erfolgreiches Unternehmen. Nach dem Tod von Rudolf Binder übernahm er dessen Geschäft und kaufte auch das Türmlihaus. 1834 gründete Johann Ulrich Sutter eine Sekundarschule in Bühler und unterhielt diese 15 Jahre lang mit eigenen Mitteln bis eine Gemeindeschule an ihre Stelle trat. Insgesamt war er während 16 Jahren Gemeindehauptmann. 1845 wählte ihn die Landsgemeinde zum Landesfähnrich.

Johann Jakob Sutter

Johann Jakob Sutter (1812-1865) war der jüngste Bruder von JohannUlrich Sutter. Der Vater starb und der um 19 Jahre ältere Bruder nahm den jungen Johann Jakob Sutter auf und sorgte fortan für ihn. Nach genossener Schulbildung und einigen Jahren im Geschäft seines Bruders, gründete auch Johann Jakob Sutter eine eigene Firma. Bereits in jungen Jahren war er auch politisch aktiv. 1837 wurde er Gemeinderat. Während vier Jahren amtete er als Gemeindehauptmann. 1848 wählte ihn die Landsgemeinde als ersten Vertreter in den neuen Nationalrat. Die Landsgemeinde von 1853 ernannte ihn dann zum Landammann. Dieses Amt versah er während 12 Jahren. Von 1856 – 1865 war er ausserdem Mitglied des Ständerats.


Zusammengestellt 2004 von Marco Knechtle, in Bühler AR